Das Drama ums perfekte Kleid

Ein Jahr ist es her, da war ich kurz vor der Matura und somit auf der Suche nach dem perfekten Maturaballkleid. Natürlich hatte ich schon eine genaue Vorstellung wie es aussehen sollte. Rosa, lang, prinzessinnenhaft. Wenn schon denn schon! Erstaunlicherweise fand ich genau so ein Kleid im Internet. In einem Shop aus China, der die Kleider massanfertigt. Perfekt, könnte man meinen. Irgendwo kleingedruckt stand allerdings, es könne zu bis zu fünf Zentimetern Abweichung kommen. Früh genug dran, ein Kleid zu bestellen, in das ich schlimmstenfalls nicht reingekommen wäre, war ich natürlich nicht. Perfekt passen muss so ein Kleid meiner Meinung nach schon und irgendwie hatte ich auch einfach kein gutes Gefühl, etwas so edles so billig zu bestellen. Also liess ich es bleiben und trauere dem Kleid heute noch nach. Auch wenn mir die Farbe davon ziemlich schlecht gestanden hätte.

So gut es geht von allen Vorstellungen getrennt, ging’s also in die Stadt in den Laden, in dem wohl fast alle ihr Kleid kauften, die nicht im besagten Chinashop bestellten. Ich kam mir vor wie im Faschingskostümverleih, abgesehen davon, dass ich noch nie in einem war. Zu viel Glitzer, zu glänzende Stoffe, zu viele Rüschen. Zu altbacken. Schnell wieder raus!

Ich hatte mir die Suche nach einem Ballkleid ehrlichgesagt lustiger vorgestellt. In etwa so, dass ich ein wunderschönes Kleid nach dem anderen anprobieren würde und mich am Schluss kaum entscheiden könnte, weil alle so perfekt sind. Noch kein einziges Kleid hatte ich anprobiert, meine einzigen verbliebenen Ansprüche waren: Es sollte mir passen und die Farbe sollte mir wenn möglich stehen. Dass das mit dem Rosa keine gute Idee gewesen war, war mir inzwischen auch klar geworden. Vermutlich um mich selbst zu trösten. Der einzige Ort in der Stadt, an dem es bezahlbare Ballkleider gibt, der mir und meiner armen Mama noch einfiel, war C & A. Viel besser als der Chinashop, hust. Wobei auch die Qualität im Ballkleidladen zu wünschen übrig liess. Also rein in den C & A und in das einzige Kleid, das ich nicht (entschuldigung) hässlich fand. Auch wenn ich eigentlich gar kein Fan von Kleidern mit solchen Raffungen bin und auch keine komisch aufgestickte Perlen wollte. Wie gesagt, meine Ansprüche waren inzwischen sehr, sehr tief. Das Kleid in meiner Grösse? Fehlanzeige. Trotzdem gekauft, um es dann – wie jene, die in China bestellt hatten – umnähen zu lassen. Jetzt sind gerade Chinesen in den Zug eingestiegen und ich muss kurz abschweifen und anmerken, dass natürlich nicht alles in China Hergestellte schlecht ist und China schon längst nicht mehr das schlimmste Land ist, was Qualität und Arbeitsbedingungen angeht. Und bezüglich C & A muss ich sagen, dass die Qualität der Ballkleider zumindest auf den ersten Blick wesentlich besser war, als die jener im Ballkleidladen.


Dann war der Tag gekommen. Wenn schon nicht das perfekte Kleid, dann hatte ich dank einer sehr begabten Coiffeuse genau die Frisur, die ich mir vorgestellt hatte. Nur hatte mir die Coiffeuse ein bisschen die Laune verdorben, da sie fast die ganze Zeit erzählte, wie schrecklich es in Paris sei. Kurz bevor ich für drei Monate dorthin reiste. Geschminkt hatte ich mich selber, da ich es schlicht halten wollte und mir alle fremden Leute, die mich bisher geschminkt hatten, jeweils zu blauem Lidschatten rieten. Parat für den Ball? Ja, fast. Nur noch schnell ins Kleid schlüpfen. Gar nicht so einfach ohne die Frisur zu zerstören. RATSCH. Genau, Kleid gerissen. Im Ausschnitt. RING. „Wo bleibst du? Wir warten schon alle!“ Meine sonst mindestens eine halbe Stunde zu späten Freundinnen waren also pünktlich und warteten. Mit ihren Eltern, toll. Zum Glück war es nur ein kleiner Riss, so dass er richtig drapiert fast unsichtbar war. Also ging ich mit kaputtem, unperfektem Kleid an den Ball und hatte vor lauter Stress vergessen, meine Ohrringe zu montieren. Letztendlich war es so egal. Um ein paar Stunden lang Smalltalk zu führen, Komplimente zu bekommen und zu verteilen, reichte es. Danach tauschte ich das Ballkleid gegen mein geliebtes Kleines Schwarzes aus, hatte an der After Party so viel Spass wie selten in einem Club und spazierte als es bereits wieder hell war zusammen mit meinen pünktlichen Freundinnen nach Hause. Barfuss, weil die Füsse so sehr schmerzten. Obwohl ich Ballerinas trug, aber das ist eine andere Geschichte. Die Moral dieser Geschicht? So wichtig ist das Kleid gar nicht!

Kommentare:

  1. Ich habe mein Kleid in einem solchen "Online Chinashop" bestellt und war sehr zufrieden. Meine Freundinnen gaben mehr wie 300.- CHF aus und ich habe umgerechnet höchstens 110.- CHF mit Versand bezahlt. Auch wenn es massgefertigt war, musste ich noch selber die Träger kürzen. Ansonsten war ich sehr glücklich mit dem Kleid und werde bei der nächsten Gelegenheit wieder ein solches Kleid kaufen.

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  2. I'm glad you had fun, that is indeed what matters the most, not the dress :-)

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